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Meldung
Die Künstlersozialkasse wird zwanzig
Oldenburg - Die Versorgungskasse für Freiberufler im Kultur- und Medienbereich kann feiern: seit ihrer Gründung im Jahr 1983 ist die Zahl der Versicherten kontinuierlich gestiegen. Dennoch gibt es Defizite.

Bei der Künstlersozialkasse können sich selbstständige Künstler und Publizisten aus allen Kultursparten versichern lassen: Schauspielerinnen wie Bildhauer, Journalistinnen wie Maler, Opernsänger und Puppenspielerinnen. Bei Gründung waren 12.569 Versicherte (1983) in der KSK, heute sind es 118 969 (2002). Derzeit kommen jährlich etwa fünftausend Selbstständige hinzu.
Das Finanzierungsprinzip ist so einfach wie genial. Die Selbstständigen zahlen ihre Arbeitnehmerbeiträge für Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Der Arbeitgeberanteil wird jeweils etwa zur Hälfte von den sogenannten Verwertern (Verlage, Theater, Orchester usw.) und aus staatlichen Zuschüssen erbracht. Zu Anfang jeden Jahres geben die Freiberufler/innen eine Schätzung über das zu erwartende Einkommen ab, danach werden die Beiträge bemessen. Die Versichterten gehören zu den Sparten Wort, Bildende Kunst, Musik oder Darstellende Kunst.
Während früher insbesondere Künstlerinnen bei Risiken wie chronischer Krankheit oder Altersarmut wenig Unterstützung erfuhren - der Deutsche Kulturrat beklagte: "Das ohnehin knappe Einkommen von Künstlern und Publizisten verringerte sich im Alter u.a. infolge schwindender Schaffenskraft oder veränderter Marktanforderungen erheblich, so dass ältere Künstler und Publizisten entweder von der Sozialhilfe abhängig waren oder aber unter erbärmlichen Verhältnissen lebten." - haben sie nun mit der KSK einen Zugang zur regulären Sozialversicherung. So weit, so gut.

Der "Bericht der Bundesregierung über die soziale Lage der Künstlerinnen und Künstler in Deutschland" aus dem Jahr 2000, der sich im wesentlichen auf Daten der Künstlersozialkasse stützt, stellte fest, wo es noch Defizite gibt. Der Bericht bezeichnet es als auffallend, dass die Einkommen der Frauen rund ein Viertel niedriger liegen als die Einkommen der Männer. Die schlechtere Einkommenssituation von Frauen besteht in allen Altersgruppen und durchweg in allen Sparten. Dabei können Anfängerinnen der Altersgruppe unter 30 Jahre noch am ehesten Einkommen erzielen, die nur geringfügig unter dem der männlichen Kollegen lagen. Mit zunehmendem Alter klafft die Einkommensschere immer weiter auseinander.
In aktuellen Zahlen: Das durchschnittliche Einkommen lag im Jahr 2002 für Männer bei 12.428 Euro, für Frauen bei 9.238 Euro, für alle Bereiche. In einzelnen Sparten sind die Unterschiede noch größer. Bei der Berufsgruppe Wort ist die Differenz am eklatantesten. Dort lag das Männereinkommen bei 16.010 Euro, die Frauen mussten sich durchschnittlich mit 11.490 Euro begnügen. Im Mittel aller Sparten verdienen Versicherte unter 30 Jahren bei den Frauen 7.621 Euro, bei den Männern 8.056 Euro. Bei den über 60jährigen hat sich die Differenz bereits mit 10.153 Euro DM für Frauen im Verhältnis zu 16.024 Euro für Männer vergrößert. (Einkommen sind hier Einnahmen minus Ausgaben. Bei diesen KSK-Angaben sollte man zudem immer im Hinterkopf behalten, dass sie auf der Selbsteinschätzung der Versicherten beruhen.)

2001 wurde das Künstlersozialversicherungsgesetz novelliert, u.a. wurden die Bedingungen für Berufsanfänger/innen verbessert. Berufsanfänger/innen können Sonderreglungen in Anspruch nehmen, wenn sie unter dem definierten Mindesteinkommen liegen, weil sie zu Beginn ihrer Berufstätigkeit noch kein volles Einkommen aus künstlerisch/publizistischer Tätigkeit erzielen können. Ferner wurde in der Novelle der Bereich der Laienmusik von der Abgabepflicht ausgenommen und der Bundeszuschuss von 25 Prozent auf 20 Prozent gesenkt.
bei der Bundestagsdebatte zur Novellierung war man sich fraktionsübergreifend einig, dass sich das Instrument der Künstlersozialkasse bewährt hat, um Freiberufler/innen den Schutz der Sozialversicherung zugänglich zu machen. Ebenso fraktionsübergreifend wurde die Einschätzung formuliert, dass die Einkommen der Künstlerinnen und Künstler bisher zu niedrig sind. Eine Aufgabe für die nächsten zwanzig Jahre. (as)

www.kuenstlersozialkasse.de
www.kulturrat.de
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