Home   AIM   MIA   Service & Kontakt     Kontakt
Meldung
Noch zu wenig Vorbilder für junge Frauen in den IT-Berufen
Bonn - Bei der Abschlusstagung des Modellprojekts „Weiterbildung für Frauen aus IT-Berufen zu Ausbilderinnen“ am 12. und 13. Februar 2003 in Bonn wurde eins klar: Es gibt zu wenig Ausbilderinnen und zu viele Ausbildungsabbrüche.

Bis 2020 will die Bundesregierung den Anteil an weiblichen Auszubildende in den neuen Ausbildungsberufen auf 40 % steigern. Bisher ist die Zahl der jungen Frauen, die eine IT-Ausbildung beginnen, denkbar gering. Bei den Informatikkaufleuten sind 22% weiblich, bei den IT-Systemkaufleuten 29,8 %, bei den Fachinformatiker/innen 10,3 % und bei den IT-System-Elektroniker/innen liegt der Frauenanteil sogar nur bei 4,1 % (Jahr 2001).

Deshalb wurde über zwei Jahre lang in Offenbach beim Institut für Berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik mit Geldern des Bildungsministeriums versucht, Fachfrauen für den Ausbildereignungsschein zu gewinnen. Fast fünfzig Frauen haben ihre Prüfung abgelegt und knapp dreihundert kommunizierten als regelmäßige Netzwerkerinnen auf der Internetplattform rund um IT-Ausbildung, Berufsalltag und Arbeitsmarktentwicklung. So konnten sie sich zusammen auf die Prüfung vorbereiten und gleichzeitig ihre Erfahrungen austauschen. Besonders wichtig war die lokale Anbindung und deshalb trafen sich die Ausbilderinnen in sechs Städten auch persönlich.

Die neuen IT-Ausbilderinnen sollen in Zukunft dem Nachwuchs einen Weg durch den Mediendschungel bahnen und den jungen Technixen Mut machen, in dem bisher vorwiegend männlichen Berufsfeld Fuß zu fassen. Und das ist auch dringend nötig, denn die Quote der Abbrecherinnen ist erschreckend hoch; ein Viertel der jungen Frauen hält nicht bis zur Prüfung durch. Aber auch von den Männern brechen immerhin ein Fünftel ab. Langweiliger Berufsschulunterricht, mangelnde Abstimmung zwischen Berufschulwissen und betrieblicher Ausbildung könnten hier die Gründe sein. Bei den jungen Frauen kommt noch nach eigenen Angaben mangelndes Verständnis bei Kunden und wenig Austausch mit Gleichgesinnten hinzu. Auch haben Frauen meist ein viel pragmatischeres Verhältnis zum Computer als ihre männlichen Kollegen. Da sie auf Erfahrungsaustausch sehr viel Wert legen, beißen sie bei Ausbildern häufig auf Granit. Stumm vor der Kiste sitzen und tagelang tüfteln, ist aber nicht die Sache der Berufsanfängerinnen und dürfte auch bei Personalverantwortlichen der IT-Branche eigentlich schon lange nicht mehr gefragt sein. Insofern müsste der weibliche Nachwuchs beste Karten haben.
Doch das hat sich bei vielen Mädchen in der Berufsorientierungsphase noch nicht herumgesprochen: Der Anteil der Ausbildungsanfängerinnen stagniert bei durchschnittlich 14%. Weder das Bildungsministerium, noch die Kammern, noch die Berufsschulen wollen diese Zahlen weiter hinnehmen.

Neue Medien brauchen auch neue Strategien

Das Modellprojekt der IT-Ausbilderinnen läuft im Mai 2003 aus und war mit 400.000 Euro auch sehr schmal bemessen. Und eigentlich wissen alle, was zu tun ist: Die Ausbildungsrichtlinien müssen einer Prüfung nach Gender-Mainstreaming-Kritierien, d.h. nach geschlechtergerechter Didaktik und Methodik, unterzogen werden, da die Mädchen, die mit den besseren Noten in die Ausbildung einsteigen, bei den Prüfungen schlechter abschneiden als die Jungen. Hier kann eine differenzierte Analyse die Ursachen zutage fördern und Änderungsvorschläge formulieren. Die Berufsschullehrer müssen auf die jungen Frauen vorbereitet werden. Und: die IT- Branche muß sich darauf einstellen, dass auch eine Tätigkeit in den neuen Medien mit Privat- und Familienleben vereinbar ist.
Der Ausbau und die Qualität der IT-Ausbildung bleibt in den nächsten Jahren eine wichtige Aufgabe aller beteiligten Partner. Den Ausbilderinnen kommt eine herausragende Bedeutung zu: Sie sind Vorreiterinnen und Vorbilder für junge Frauen, die sich die Branche erobern wollen und können mithelfen, die Bedingungen aller Azubis zu verbessern.

Ein Bericht von Judith Hasselmann

Weitere Infomationen über das Modellprojekt: www.it-ausbilderinnen.de
Evaluation der neuen IT-Berufe: www.biat.uni-flensburg.de


© 2007 Copyright - aim - Ausbildung in Medienberufen - KoordinationsCentrum - in Trägerschaft der sk stiftung jugend und medien - Im Mediapark 7 - D-50670 Köln - Mail-Kontakt - alle Rechte vorbehalten